Über 1000 km und weit mehr als
20
Flugstunden
Haube geschlossen
und
verriegelt. Landeklappen eingefahren und die Trimmung neutral gestellt.
Ruder
sind frei und gängig, die Aufzugsleine vom Fallschirm festgemacht. Ich
bin angeschnallt,
das Schleppseil ist eingeklinkt.
„D-0487
ist startklar!“ und mein Blick wandert
zum Startleiter: „D-0487 starten Sie!“
Das Schleppseil
strafft sich.
Ich merke wie das Flugzeug zu rollen beginnt. Nicht lange und der
Flieger ist
frei. Ich stelle an: erst mit 30 Grad, danach mit 45 Grad.
Der
Seilzug lässt nach und kurze Zeit später
befinde ich mich frei in der Luft. Voll konzentriert fliege ich die
erste
Linkskurve. Das klappt ja super! Der Faden ist in der Mitte und das
Flugzeug
wandert am Horizont entlang. Kurz aufgerichtet und zwei weitere Kreise
folgen.
Einer links, der andere Rechts herum. Nun ist es soweit: Position zur
Landung. Eine letzte Linkskurve und ich befinde mich im Landeanflug.
Mein Blick
fest an das Landezeichen geklammert.
Doch jetzt merke
ich zum
ersten Mal, dass ich nicht wie gewohnt im Piraten oder im Puchacz
sitze. Ich
gleite weit über das T hinaus und setze erst 50 Meter später auf die
Graspiste
auf.
Ich sitze in
dem Standard
Cirrus MV1, dem Jugendförderflugzeug des Landesverbandes für
ambitionierte
Strecken- und Wettbewerbsflieger. Jeder, dem das Streckenfliegen
begeistert, kann
sich für eine Umschulung bewerben. Vorraussetzungen hierfür sind die PPL-C und eine Meldung des eigenen
Vorstandes an den Landestrainer (an dieser Stelle ein Dankeschön an
meinem
Vorstand). Nach ein paar weiteren Starts und immer besser werdender
Landeeinteilung bekomm ich vom Landestrainer Harald „Harry“ Kludt die
Umschulung bestätigt und kann die darauf folgenden Tage die Jagd nach
Kilometern beginnen, denn auch in diesem Jahr trafen sich vom 19.05.
bis zum
01.06. ambitionierte Streckenflieger in Neustadt-Glewe zum
Streckenfluglager. Es
nahmen nicht nur Segelflieger aus dem eigenem Land teil, sondern auch
aus
Schleswig Holstein, Baden-Württemberg und Brandenburg. Mit dabei der
offene
D-Kader M-V, der zurzeit leider nur aus drei Junioren besteht: Stephan
Pietsch,
Daniel Pietsch (beide aus Neustadt-Glewe) und dem Autor (aus Anklam).
Für uns Drei
hieß es in den zwei Lehrgangswochen unser Wissen über das
Streckenfliegen zu
erweitern und möglichst viel Erfahrung zu sammeln. So passierte es
nicht
selten, dass Landestrainer Harry uns auf Strecken um die 300 km
schickte. Ich
muss zugeben, dass ich ohne Harrys Theorieunterricht und ohne Steffen
Kludt’s
genialen Wetterverständnisses nicht im Traum daran gedacht hätte, dass
an
einigen Tagen überhaupt solche Strecken möglich waren. Allein in der
ersten
Woche flog ich über 1200 Streckenkilometer und weit über 20
Flugstunden!
Außerdem flogen wir drei Junioren unsere persönlichen „Bestleistungen“.
Gleich am ersten
Trainingstag
flog Daniel seinen ersten 300er und schon 2 Tage später flog ich
zusammen mit
Daniel meinen Ersten. Stephan hingegen flog bei nicht ganz einfachem
Wetter
seinen ersten 500er, der abends am Lagerfeuer mit Kümmel
segelfliegerisch
begossen wurde. Der komplette Lehrgang war super organisiert und
durchdacht und
selbst an schlechten Tagen kam keine Langeweile auf.
Was mich in den
zwei Wochen besonders
beeindruckte, war die Kameradschaft, die unter allen Segelfliegern
herrschte. Morgens
wurde geholfen die Flugzeuge startklar zu machen und abends, nachdem
die
Flieger sauber gemacht wurden, beim gemütlichen Bierchen am Lagerfeuer,
der
eine oder andere „Absaufer“ wild gestikulierend erklärt. Was natürlich
sehr zu
Erheiterung beitrug.
Es wird nicht das
letzte mal
gewesen sein, dass ich mich um das Förderflugzeug beworben habe,
welches
übrigens mit Flarm, Mückenputzis, LX 20 und Anflugrechner hervorragend
für
Streckenflüge geeignet ist!
Ich hoffe, dass in
Zukunft
mehr junge ambitionierte Leute dieses großzügige Angebot des
Landesverbandes
wahrnehmen und sich vielleicht für Mitgliedschaft im D-Kader
interessieren.
Mehr Infos zum
Förderflugzeug
findet ihr auf www.segelflug-mv.de unter Juniorsegler.
Sebastian Schlorff
Fliegerklub „Otto
Lilienthal“
Anklam e.V.